Samstag, 25. Februar 2012

Notizen

Ich schaue mein altes Notizbuch durch und finde diesen Eintrag vom 28.11.2011:

"Vor einigen Monaten war es noch speziell alleine in unserer Wohnung zu übernachten. Jetzt übernachte ich alleine in einem Haus in Brüssel. Die Zeit geht so schnell, die Welt ist so gross. Ich habe Heimweh. So viele Dinge, die sich verändern und ich vergesse wie es vorher war."

Ausserdem finde ich eine Lebens-To-do-Liste:

- Kochkurs
- Fotokurs
- ungeplantes Interrail
- alleine verreisen
- für längere Zeit in spanischsprechendem Land leben
- chinesisch, russisch und arabisch lernen
- reiten lernen
- klavier spielen lernen
- Gitarre spielen lernen
- Theaterpädagogik ausüben
- Buch schreiben
- Poetry Slam machen
- Theaterstück inszenieren
- tanzen
- lustiges Kino
- alleine ins Kino gehen

Mittwoch, 8. Februar 2012

Eine Minute

Eine Minute dauert sechzig kurze Schritte und beginnt von Neuem
Sechzig Schritte, sechzig Schritte, Stunde um Stunde
Und Tag um Tag
Ein Gefangener, der sich ständig befreit und flüchtet,
und doch immer da ist.

Du schaffst es ungefähr eine Länge eines Steinwurfes zu laufen.
Du schaffst es ein grosses Glas Milch zu trinken
Und dazwischen zu atmen
Du schaffst es eine halbe Seite zu lesen und vielleicht deinen Namen
Darunter zu schreiben
In einer Minute

Ein Schuss kann gefeuert werden, sein Ziel erreichen und töten
Eine Grube kann zusammenstürzen und zwei Autos
Können zusammenstossen
In einer Minute

Ein Kuss kann sich eine Minute lang hinauszögern
Ohne seine Frische zu verlieren
Eine Minute kann dein Herz zum stocken bringen
Oder entleeren
Die Formel, welche die Welt zerstört, kann geschrieben werden
In einer Minute
Frei übersetzt, Original auf Schwedisch von Artur Lundkvist

Als ich vor einem halben Jahr (ich kann nicht fassen, dass es schon ein halbes Jahr her ist) noch als Kassiererin arbeitete, spielte sich folgende Szene ab: Ein kleiner Junge bezahlte in grösster Eile sein Eis ohne ein Wort zu sagen. Kaum hatte er sein Rückgeld erhalten schnappte er sich seinen Einkauf und rannte im Höchsttempo davon. Eine ältere Dame stand hinter dem Jungen und schaute ihm nach. Danach wandte sie ihren Blick zu mir und meinte: „Er ist noch jung, hat noch viel vor. Deshalb hat er es so eilig.“ Ich lächelte, nickte und dachte: „Ich auch.“