Freitag, 26. August 2011

Zwischendrin.

Ich: Ich würde gerne wissen, wie viel ein Zugticket nach Brüssel kostet.
SBB-Angestellte: Ok. Für welchen Tag?
Ich: Für den 29. September.
SBB-Angestellte (tippt etwas auf ihrem Computer): Kommen Sie auch wieder zurück?
Ich: Ehm.. Nein. Nein, vorläufig nicht.



Auf Reisen bin ich anders. Auf Reisen bin ich ein Übergangsmensch. Weder da noch dort. Noch nicht angekommen und noch nicht abgereist. Zwischendrin, zwischendurch, zwischen zwei Welten bin ich dann.

Auf Reisen weiss ich nicht wo ich bin. Bin ich da? Bin ich dort? Bin ich Zuhause? Bin ich fort?

Auf Reisen bin ich geschützt. Wenn ich in den Zug steige, wenn ich durch den Flughafen laufe, wenn ich mein Gepäck hinter mir her ziehe bewege ich mich in einer Blase. Eine Blase, die mich vor allem schützt, was mich auf seine Seite ziehen will. Auf Reisen lasse ich mich nicht beeinflussen, auf Reisen bin ich in meiner eigenen Welt, aus der mich kein noch so verlockendes Angebot holen kann.

Ich mag es nicht anzukommen, ich mag es nicht loszufahren. Aber ich mag es unterwegs zu sein. Ich bin gerne zwischendrin.


Donnerstag, 18. August 2011

Himbeeren

Vier Anzeichen dafür, dass ich erwachsen werde, bin, war, sein sollte.. was auch immer. Hier sind sie:
1.    Andere Erwachsene (Dieser Anfangssatz an sich ist ein Anzeichen – als würden Erwachsene eine Gruppe bilden, zu denen ich mich nun, aus welchen Gründen auch immer, vielleicht aus folgenden, auch dazu zählen darf.) bezeichnen mich in Gegenwart ihrer Kinder als Frau, die im Weg steht/ zuerst zahlen darf/ kurz durch muss/ etc. Früher hiess es einfach: „Da will noch jemand durch.“

2.    Wenn ich mit meinen Eltern essen gehe, fragt der Kellner ob wir getrennt zahlen.

3.    Ich sieze Gleichaltrige. ICH SIEZE GLEICHALTRIGE!

4.    Ich zahle Himbeeren an der Migros-Kasse mit meiner Bankkarte.


Als ich das erste der eben erwähnten Himbeeren verdrückte, war es als würde ich eine pure Kindheitserinnerung essen und mir wurde klar, wie nahe und präsent die Kindheit trotz allem ist. Mit dem süssen Geschmack der Himbeere aktivierten sich in meinem Hirn Bilder vieler Sommer, die wir im Ferienhaus (Auf Schwedisch: Sommarstuga, klingt irgendwie hübscher.) meiner Grosseltern verbrachten. Ich spürte förmlich das Gras unter meinen Füssen kitzeln und erinnerte mich an das Erfolgsgefühl, wenn ich in den frühen Morgenstunden zwischen den zahlreichen Johannisbeeren eine Himbeere entdeckte. Ich hatte immer ungeduldig ein kleines Sieb mit den vielen roten Früchten gefüllt, um sie danach sofort wieder zum Frühstück zu verzehren. So war ich gestärkt für einen langen, entspannten Tag, der sich hauptsächlich im nahe gelegenen See „Mälaren“, am Seeufer und auf der Wiese vor dem Haus abspielen würde. Mit dieser Art Tage, die so entspannt und unkompliziert und doch so prall gefüllt waren, füllten sich viele Sommerferien meiner Kindheit. Und jeder dieser Tage begann mit Himbeeren. Vielleicht werde ich erwachsen. Aber es gibt Dinge, die bleiben. So wie der Geschmack von Himbeeren, der immer der Geschmack von Kindheitssommern bleiben wird.  

Freitag, 12. August 2011

Doppelleben

Zurzeit bin ich zwei Dinge: Kassierin und Schauspielerin. Schaupspielerin und Kassierin. Beim einen die Chefin, beim andern der Unterhund. Aber auch die Kanti-Schülerin in mir, ist noch nicht ganz verschwunden. Das merkt man spätestens dann, wenn mir beim Waschmittel „Yvette“  sofort Yvette Zgraggen, die Autorin von „Mathias Berg“ in den Sinn kommt.

So, und nun einige Feststellungen bezüglich meines neuen Berufs:

Die Arbeit an einer Schnellkasse ist...

1. ... wie Tetris spielen. Die Produkte sollten möglichst schnell und möglichst ohne Lücken in das „Kassenfach" (Meine Güte, gibt es ein Wort dafür? Ihr wisst schon, diese Vorlage bei der Kasse, wo der Kunde seine Produkte in rausnimmt und einpackt) gelegt werden. Dabei gibt es in dieser Tetris-Version noch eine Extra-Challenge. Man muss auf die Empfindlichkeit, der Produkte achten. Auf keinen Fall ein schweres Milchpaket über ein fragiles kleines Joghurt legen, dann ist nämlich Gameover.

2. ... Multitasking auf höchstem Niveau. Welches Produkt zuerst? Ist es Aktion? Wie viele Brötchen haben Sie gekauft? WO IST DER SCHEISS STRICHCODE?!? Im Wagen steht auch noch ein Sechserpack Wasser. Mmmmhh es riecht nach frischem Brot... EGAL! WEITERMACHEN! Schreiendes Kind ignorieren. Nettes Gespräch mit Kundin über Waschmittel führen und gleichzeitig nach der Cumulus fragen. Schweiss abtrocknen. 57 Franken und 85 Rappen bitte. Ohh einen Gutschein haben Sie auch noch, ja dann sind es nur noch 47 Franken und 85 Rappen bitte. Sie zahlen mit Karte? Lieber nicht? Oder doch? Nein, lieber eine Hunderternote. Ja, das geht in Ordnung. Haben Sie eventuell, vielleicht wenn es geht noch 85 Rappen? Vielen Dank. Blabla. 52 Franken und 15 Rappen retour. Herrje soviele Zahlen. Wie zum Teufel sehen Zweifränkler schon wieder aus??? Soooodeli da wäre noch die Quittung. Vielen Dank, Adeeee, schöne Nomitag no, danke gliichfalls, merci ade, ja schöne Tag, danke adee!!!

3. ... Gift für meinen Rücken. Mehr gibt es da nicht zu sagen.

4. ... ein Theaterspektakel der Extra-Klasse. Ja, tatsächlich kommen hier auch meine schauspielerischen Fähigkeiten (falls ich diese denn nun haben) ins Spiel. Mal ganz im Ernst: Dass dieses Waschmittel einen milderen Geruch hat als jenes und dass dieses und dieses Brot das Liebelingsbrot von Frau Soundso, jedoch nicht der Topfavorit von Frau Balbla ist interessiert mich nicht wirklich. Trotzdem setze ich bei jedem Kunden mein breitestes Lächeln auf, nicke freundlich und spiele die nette, freundliche extrem interessierte Verkäuferin.  Doch die Konkurrenz ist hoch. Zumindest im musikalischen Bereich haben andere Mitarbeitende ein grosses Talent: Sie geben ihr „füfevierzg franke füfzg biiiiitte“ in einer Tonhöhe von sich, wie es nicht mal der beste Sopran tun könnte.


5. … nichts für Vegetarier. Wahrscheinlich hätte ich den Job gar nicht bekommen, würde in meinem Lebenslauf stehen, dass ich mich fleischlos ernähre. Kalbsmagen, Rindsschenkel und Schweinerücken steht offensichtlich bei einem Durchschnittseinkäufer täglich auf dem Menü. Nicht einmal Fertigsalat gibt es ohne Fleisch. SALAT! Das vegetarischste unter dem vegetarischen. Wovon soll man sich als Vegetarier da bitteschön noch ernähren?

Tagsüber hinter der Kasse die freundliche Kassierin, die ihre Kunden stets mit einem Lächeln bedient, abends auf der Bühne die strenge Chefin M, die mit ihrer Truppe den Verräter der Bande bestrafen will. Zum Glück liegt eine Zugstunde zwischen den beiden Welten. Ansonsten hätte ich zu wenig Zeit die Rollen zu wechseln.


Ps. Heute ist nicht Dienstag. Soviel zu meiner Regel.


Dienstag, 2. August 2011

Die Ordnung und der Sinn dahinter

Heute ist der erste Tag in meinem Leben, an dem ich einen Blog-Eintrag schreibe. Heute ist Dienstag. Ich stelle mir die Frage, warum es Blogs gibt, warum Menschen Blogs schreiben und warum andere Menschen Blogs lesen. Ich kann keine dieser drei Fragen beantworten, aber ich behaupte zu wissen, warum ich nun einen Blog habe und warum ich in Zukunft vermutlich öfters Blog-Einträge schreiben werde.

Auch wenn man es mir nicht ansieht und der momentane Zustand meines Zimmers es nicht erahnen lässt: Ich bin ein Ordnungsfreak. Ich sortiere meinen Besitz nach Farbe, Grösse, Wichtigkeit. Ich mache Listen über Erledigtes, Unerledigtes, Wünsche, Träume, Schulden. Ich kontrolliere Haustüren, Lichtschalter, Wasserhähne, Taschen. Ich ordne Dokumente in verschiedenen Mäppchen, Mäppchen in verschiedenen Ordnern, Ordner in verschiedenen Bücherregalen. Und trotzdem versinke ich regelmässig im Chaos. Nein, ich bin keiner dieser sympathischen Chaoten die ihr Zimmer vorzeigen und sagen: "Das hier ist mein künstlerisches Chaos, aber es ist ein georndetes Chaos!" Nein. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich habe eine chaotische Ordnung. Ich habe soviele Aufräum-Systeme, dass ich sie selbst nicht mehr überblicke, so viele "To-Do-Listen", dass ich nicht mehr weiss, welche Aufgabe auf welchem Zettel steht. Ich bin ein Ordnungsfreak, aber kein sonderlicher erfolgreicher.

Nun ja. Jedenfalls vermute ich, dass es mein Drang nach Ordnung ist, der mich dazu geführt hat, diesen Blog zu erstellen. Ich hoffe damit Ordnung in meine Gedanken zu bringen. Es soll sozusagen eine Art Registersystem für mein gedankliches Chaos werden. Um meinem Ordnungswahn auch im vernetzten und leicht irreführenden World Wide Web treu zu bleiben, möchte ich meinem Blog eine Art System geben. Nämlich das Dienstagssystem. Ich schreibe immer nur Dienstags. Ob ich diese von mir selbst erfundene Regel einhalten werde, wird sich zeigen. Ob das Ganze einen Sinn macht sollte man sich nicht fragen. Über sinnvolle Blog-Namen kann man ohnehin diskutieren.

Der Grund, warum ich genau jetz mit bloggen beginne, ist mein Zwischenjahr, das je nach dem ob man die Sommerferien noch zur Schulzeit zählt oder nicht vor zwei Wochen begann oder in zwei Wochen beginnt. Ich weiss nicht wo ich im nächsten Jahr überall sein werde, wen ich alles treffe, ob ich überhaupt jemanden treffe, ob ich mich mit meiner meiner Einsamkeit zurechfinden muss oder ob ich in neuen Bekanntschafen untergehen werde. Aber immerhin habe ich jetz einen Blog. Immerhin bleibt das Internet ein treuer Freund, egal ob ich in Rapperswil, Brüssel, Berlin oder sonstwo bin. Ich möchte mein Zwischenjahr festhalten und mit euch teilen. Warum ich den Blog heute, an einem Dienstag dem 2. August, und nicht vor zwei Wochen erstellte und auch nicht erst in zwei Wochen erstellen möchte, hat keinen Grund. Genauso wenig wie mein Ordnungswahn.