James Salter, Verbrannte Tage
„Geniess es! Geniess den Moment!“ Eins dieser Dinge, das schon so oft unbedacht aus irgendwelchen Mündern plätscherte. Was soll ich denn mit dem Moment? Soll ich ihn einrahmen? Mir als Kette um den Hals hängen? Das ist doch genau das Problem mit Momenten: Wir können sie nicht festhalten. Seit längerer Zeit stelle ich mir die Frage, wie ich einen Moment bewusst geniessen kann, ohne ihn zu zerstören. Entweder ich erzwinge den Genuss, und dann bleibt mir für immer nur die Erinnerung des Zwangs. Oder ich versuche einfach zu leben. Zu leben und sorgenfrei durch die zahlreichen Momente zu gleiten. Dann rutschen mir die Augenblicke durch die Finger, entschwinden und steigen dann irgendwann als rosige kleine Erinnerungen aus der Vergangenheit auf.
Manchmal wünsche ich mir einen multifunktionalen, alle Wissenschaften überragenden Fotoapparat. Ein Gerät, das nicht nur das Visuelle, sondern auch Gerüche, Geräusche, Gefühle, Temperaturen, Stimmen, Berührungen aufnehmen könnte. Ein Fotoapparat zur Anwendung aller physisch und emotional wahrnehmbaren Dimensionen. Ein Fotoapparat, der Momente in ihrer vollsten Pracht festhält und immer wieder aufleben lassen kann. Wer könnte dieses Gerät besser beherrschen als der/ die Schreibende? Es sind die Klick-Momente, die ich niemals vergessen, niemals verlassen möchte.