Donnerstag, 10. November 2011

Kinder an die Macht

Wenn ich eines bis jetzt gelernt habe, dann ist es, dass Kinder ihren eigenen Kopf haben. Regeln werden zur Herausforderung, Aufforderungen zum Spiel. Ihre Gedanken mögen vielleicht manchmal etwas wirr klingen, aber im Grunde genommen sind sie total logisch. Vier Beispiele.

Situation Nr. 1: Am Esstisch:

Ich: Du solltest den Apfel, der noch in deiner Brotdose liegt, aufessen.
Er: Nöö.

Ich: Warum nicht?

Er: Weil er nicht in Stücke geschnitten ist. Lange Pause. Kannst du ihn mir in Stücke schneiden?
Ich: Kannst du das nicht selbst?

Er: Nöö.

Nach einer weiteren Pause beginne ich den Apfel in Stücke zu schneiden.
Ich: Wie machst du das denn in der Schule? Das ist der Apfel ja auch nicht in Stücke geschnitten…

Er: Dann esse ich den Apfel nicht.
Ich: Kannst du das denn nicht? Einen nicht-geschnittenen Apfel essen?

Er: Nöö.
Ich (zu seinem Freund, der auch am Tisch sitzt): Kannst du das?

Freund: Jaa.
Ich (wieder zu meinem Aupair-Jungen): Siehst du. Das wär ganz praktisch, wenn du das auch könntest.

Er: Kann ich ja auch.
Ich: Hä?

Er: Aber nur wenn ich will.


Situation Nr. 2: Nochmals am Esstisch:

Die beiden Jungs spielen mit den Ketschup- und Mayonnaise-Flaschen.

Ich: Wir stellen jetzt eine Regel auf! Am Essenstisch bleiben die Esssachen auf dem Tisch und haben nichts in der Luft zu suchen.

Die beiden überlegen sich für einen kurzen Moment, wie sie diese Regel wieder rückgängig machen können.

Er: Aber du, wenn ich jetzt die Ketschup-Flasche zu mir nehmen möchte, dann muss ich die so am Tisch lang schieben (schiebt die Flasche auf eine sehr umständliche Art und Weise zu sich). Und wenn ich meine Nudeln essen möchte, dann kann ich die nicht auf die Gabel nehmen und auch nicht in meinen Mund, weil dann sind die ja nicht mehr auf dem Tisch.

Ich bin paff über diese logische Überlegung und versuche meine doch nicht so geniale Regel anders zu formulieren.

Ich: Esssachen dürfen am Esstisch höchstens während fünf Sekunden vom Tisch gehoben werden.

Die beiden schnappen sich sofort je eine Mayo-Flasche, heben sie in die Lüfte und zählen auf fünf. Danach stellen sie die Mayo-Flasche wieder kurz auf den Tisch und heben sie gleich wieder auf um wieder auf fünf zu zählen. Und so weiter und so fort.



Situation Nr. 3: Und schon wieder am Esstisch. Ich habe bald das Gefühl, dass sich mein Leben nur dort abspielt.

Ich (auf dem Weg zum Aupair-Treffen): So, ich geh dann Mal.

Er: Neeeeeeein. (Schnappt sich meine Hand) Dann halte ich dich jetzt einfach fest.

Ich: Tja, dann muss ich dich wohl mitnehmen. Möchtest du als Accessoire mitkommen?

Er: Jaaaaaaa!

Ich: Da sind ganz viele Mädchen!

Er (zieht seine Hand sofort weg): Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhhhhhhhhh!



Situation Nr. 4: Auf dem Weg zum Fussballtraining:

Er: Weisst du was meine Lieblingskrankheit ist?

Ich: Deine Lieblingskrankheit?!?

Er: Fieber! Weisst du warum?

Ich: Nein…

Er: Weil mir dann immer so heiss ist.

Ich: Aha.. ich bin aber eigentlich ganz gerne gesund..

Er: Nööö dann muss man ja in die Schule. Deshalb find ich Arm-Brechen auch nicht so toll, dann muss man ja trotzdem in die Schule.